Über Queer Sprechen

Wie viele andere bin ich über die Feiertage zu meiner Herkunftsfamilie gefahren. Ich hab viele Geschichten gehört und gelesen, von anderen Menschis und wie sie diese Zeit so überstehen. Manche hatten überraschend gute Coming Outs gehabt und waren sehr erleichtert. Andere haben sich ebenfalls gut verstanden und ein Coming Out als Non-Binary zum ersten Mal in Erwägung gezogen. Wieder andere hatten sehr zu kämpfen und sind froh, wenn sie wieder zu Hause sind.

Bei mir stand gerade kein Outing an. Einige habe ich hinter mir, manche liefen sehr gut und Weiterlesen

Still Loving Bi

[English abstract: see below]

Seit den ersten Beiträgen hat sich das Thema Bifeindlichkeit, oft unausgesprochen, auf diesem Blog durchgezogen. Seitdem habe ich viele Gespräche darüber geführt, mit Menschen von Twitter, mit Freundinnen, mit Partnerinnen. Auch nahm ich an einem Workshop von zwei Freundinnen an der Uni Mainz teil, der auf dem Konzept Monosexismus und, wenn ich mich richtig erinnere, zu Teilen auf Shiri Eisners Buch „Notes for a Bisexual Revolution“ beruhte. Von einer der Workshop-Leiterinnen erfuhr ich auch, dass das so oft vorgebrachte Argument für Bifeindlichkeit – nämlich, dass es Weiterlesen

LGBTQ* in Kinder- und Jugendbüchern

Hier ein paar Gedanken zu Büchern, die ich entweder selbst als Kind gelesen habe oder auf die ich bei meiner Recherche für die Bachelorarbeit gestoßen bin. Die Frage war, ob es auf deutsch Kinderbücher gibt, die als queer bezeichnet werden könnten, und wie diese entstehen, Verbreitung finden usw. Im Folgenden geht es nicht so sehr um die Ergebnisse von der Arbeit, sondern mehr um meine Gedanken drumherum und persönlichen Erfahrungen lesbischen, bisexuellen, schwulen oder genderbending Identifikationsfiguren. Ich freue mich über eure eigenen Erinnerungen und Erfahrungen in den Comments! Weiterlesen

Coming Out Triggers

Mit Coming Out meine ich in diesem Artikel, sich selbst der eigenen sexuellen Orientierung bewusst zu werden.

Die Wissenschaftlerin Lisa M. Diamond, die eine Langzeitstudie über flexible sexuelle Orientierung bei Frauen* durchgeführt hat, erklärt in ihrem Buch „Sexual Fluidity“ (Übersetzung s.u.):

„Across the entire sample, nearly half the women said that their initial sexual questioning was triggered not by straightforward, free-floating experiences of same-sex attraction but by exposure to or contact with lesbian/gay/bisexual ideas or individuals (for example, meeting lesbian/gay/bisexual friends, taking a class that covered sexual-minority issues, or seeing these issues discussed on television or in books) (…).“

Auf Deutsch: „Durch die gesamte Testgruppe hinweg sagte fast die Hälfte der Frauen, dass ihre erste Infragestellung ihrer Sexualität nicht durch direktes, losgelöstes gleichgeschlechtliches Begehren ausgelöst wurde, sondern durch die Berührung oder den Kontakt mit lesbischen/schwulen/bisexuellen Ideen oder Personen (zum Beispiel lesbische/schwule/bisexuelle Freund_innen kennen lernen, einen Kurs über sexuelle Minderheiten belegen oder Diskussionen über diese Themen durch TV oder Bücher mitbekommen) (…).“

In dieser Beschreibung konnte ich mich gut wiedererkennen. Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Weiterlesen

Sag mir, dass die in Wirklichkeit lieb sind…

Mittlerweile habe ich diese Anekdote von verschiedenen Männern in unterschiedlichen Städten 3 Mal mit nahezu identischem Wortlaut erzählt bekommen. Ist das ein weiterreichendes Phänomen? Es geht so: Ich (weiblich, offen feministisch & Frauen* bevorzugend) treffe einen schwulen Typen und wir unterhalten uns. Dann erzählt er mir folgende Geschichte:

Neulich war ich auf dieser alternativen von FLT* organisierten Party. Erstmal hab ich mich gewundert, weil fast nur Frauen da waren. So richtige (hehe ähm) Kampflesben (unsicheres Grinsen). Die sahen echt so aus und waren auch so drauf. Als wir die aus Versehen angerempelt haben, sind die sauer geworden und meinten, wir sollten doch aufpassen. Dabei war es doch gar nicht mit Absicht. Da hatte ich echt ein bisschen Angst.

Es folgt ein erstauntes Schweigen meinerseits und Weiterlesen

Meint sie es ernst? Erfahrungen beim Feiern mit Frauen*

In lesbischen Zusammenhängen habe ich öfters, z.B. beim Weggehen, die Warnung oder Angst ausgesprochen gehört: Vorsicht bei bisexuellen Frauen oder Frauen, die eigentlich nicht auf Frauen stehen. Sie wollen eine nur ausnutzen und sind schnell wieder weg – mit einem Typen. Hier werden meiner Meinung nach grundlegende Dinge durcheinander geworfen.

Zunächst eine Beispiel-Schilderung der nervigen Situation, die hier gemeint ist: Ich flirte auf einer queeren, schwulLesBischen oder FLT-Party mit einer Frau, wir tanzen und küssen uns, unterhalten uns und irgendwann fällt der berüchtigte Satz: Normalerweise stehe ich ja gar nicht auf Frauen. Wahlweise auch: Bist du wirklich lesbisch? Weiterlesen

Ich will auch mal in eine Schublade passen!

[Titel geändert am 13.02.2013]
Auf dem Weg sein heißt auch, auf dem Weg zu meiner sexuellen Orientierung. Manchmal fühle ich mich da sehr… orientierungslos. Eigentlich ist es klar: ich liebe Menschen, ich steh auf Frauen* und manchmal auch auf Männer*, ich finde Leute aller möglichen Geschlechter attraktiv, wenn die Personen mit sich übereinstimmen. Wenn Weiterlesen