Still Loving Bi

[English abstract: see below]

Seit den ersten Beiträgen hat sich das Thema Bifeindlichkeit, oft unausgesprochen, auf diesem Blog durchgezogen. Seitdem habe ich viele Gespräche darüber geführt, mit Menschen von Twitter, mit Freundinnen, mit Partnerinnen. Auch nahm ich an einem Workshop von zwei Freundinnen an der Uni Mainz teil, der auf dem Konzept Monosexismus und, wenn ich mich richtig erinnere, zu Teilen auf Shiri Eisners Buch „Notes for a Bisexual Revolution“ beruhte. Von einer der Workshop-Leiterinnen erfuhr ich auch, dass das so oft vorgebrachte Argument für Bifeindlichkeit – nämlich, dass es Weiterlesen

Zitat

Laurie Penny: „Unspeakable Things“ (2014) – Eine feministische Lese-Empfehlung, die nur aus Zitaten aus dem Buch besteht und damit für sich selbst spricht <3

„This is for the others, as one of the others, as one of those who will never be satisfied with good enough, with free enough, with equality for some. This is for the unspeakable ones, the unnatural ones, the ones who upset people. Who do not do as they are told. Who speak when they shouldn’t and refuse to smile when they are supposed on demand. Who are weird and always want too much. If you’re one of those, or think you might be, this book’s for you.“ (p. 4-5)

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Tyrannei vom Lande

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Frauen*]

Gedanken zu einem Artikel über ritualisierte Gewalt an Frauen, der als romantisches Gruselmärchen in der „Feiern weltweit“-Rubrik auf Spiegel Online erscheint. Ein Versuch, zu erklären, was deutsche rapeculture sein kann.

Auf Spiegel Online vom 6.12.2013 erschien ein Artikel – eine gekürzte Fassung eines im mare-Magazins erschienenen Texts, den ihr über eine Suchmaschine finden könnt. Es geht um den Brauch auf Borkum, dass an Nikolaus die 6 schnellsten und stärksten jungen Männer hinter Masken versteckt über die Insel rennen und junge Frauen fangen, denen sie dann den Hintern versohlen und sie demütigen. Weiterlesen

Coming Out Triggers

Mit Coming Out meine ich in diesem Artikel, sich selbst der eigenen sexuellen Orientierung bewusst zu werden.

Die Wissenschaftlerin Lisa M. Diamond, die eine Langzeitstudie über flexible sexuelle Orientierung bei Frauen* durchgeführt hat, erklärt in ihrem Buch „Sexual Fluidity“ (Übersetzung s.u.):

„Across the entire sample, nearly half the women said that their initial sexual questioning was triggered not by straightforward, free-floating experiences of same-sex attraction but by exposure to or contact with lesbian/gay/bisexual ideas or individuals (for example, meeting lesbian/gay/bisexual friends, taking a class that covered sexual-minority issues, or seeing these issues discussed on television or in books) (…).“

Auf Deutsch: „Durch die gesamte Testgruppe hinweg sagte fast die Hälfte der Frauen, dass ihre erste Infragestellung ihrer Sexualität nicht durch direktes, losgelöstes gleichgeschlechtliches Begehren ausgelöst wurde, sondern durch die Berührung oder den Kontakt mit lesbischen/schwulen/bisexuellen Ideen oder Personen (zum Beispiel lesbische/schwule/bisexuelle Freund_innen kennen lernen, einen Kurs über sexuelle Minderheiten belegen oder Diskussionen über diese Themen durch TV oder Bücher mitbekommen) (…).“

In dieser Beschreibung konnte ich mich gut wiedererkennen. Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Weiterlesen

Sag mir, dass die in Wirklichkeit lieb sind…

Mittlerweile habe ich diese Anekdote von verschiedenen Männern in unterschiedlichen Städten 3 Mal mit nahezu identischem Wortlaut erzählt bekommen. Ist das ein weiterreichendes Phänomen? Es geht so: Ich (weiblich, offen feministisch & Frauen* bevorzugend) treffe einen schwulen Typen und wir unterhalten uns. Dann erzählt er mir folgende Geschichte:

Neulich war ich auf dieser alternativen von FLT* organisierten Party. Erstmal hab ich mich gewundert, weil fast nur Frauen da waren. So richtige (hehe ähm) Kampflesben (unsicheres Grinsen). Die sahen echt so aus und waren auch so drauf. Als wir die aus Versehen angerempelt haben, sind die sauer geworden und meinten, wir sollten doch aufpassen. Dabei war es doch gar nicht mit Absicht. Da hatte ich echt ein bisschen Angst.

Es folgt ein erstauntes Schweigen meinerseits und Weiterlesen

Reibung

Nachdem ich nun meine ersten Artikel gepostet habe, mir meine Themenwahl und meinen Standpunkt auf dem Bildschirm ansehe, sehe ich einiges klarer und möchte euch das nicht vorenthalten:

Eines der Schwerpunktthemen ist queer/queer sein/Gender- und Geschlechtsidentität. Und trotzdem schreibe ich die ganze Zeit über Frauen* und Männer*. Dabei sagt mein Verstand eigentlich, wenn es um queer geht, müsste das irgendwie postgender sein: Es gibt nicht Frauen* und Männer*, sondern Identitäten. Zugewiesenes Geschlecht und darüberhinaus vor allem großartige Persönlichkeiten. Aber was ich beschreibe, ist nicht welche Diskriminierungen ich erfahre – denn ich passe als straight uvm. – oder wie mies die Umstände in der Gesellschaft sind. Dies lese ich bei euch, schätze den Input sehr und teile die Wut.

Ich beschreibe, wie ich mich reibe an Vorstellungen von Geschlecht und Gender. Wie ich versuche, mit Begriffen zurecht zu kommen und mit Erwartungen.

Außerdem seht ihr viel weniger theoretisch einer jungen Person dabei zu, wie sie versucht, inmitten von Liebe, Freundschaft und Anziehung ihren Platz zu finden. Themen wie Outing, Dating, Beziehungen im Kontext von sexueller Orientierung oder Identität und LGBTQ*_ bekommen hier viel Raum und sind wie alles andere da zum Lesen, Nachdenken und Erfahrungen vergleichen.

Meint sie es ernst? Erfahrungen beim Feiern mit Frauen*

In lesbischen Zusammenhängen habe ich öfters, z.B. beim Weggehen, die Warnung oder Angst ausgesprochen gehört: Vorsicht bei bisexuellen Frauen oder Frauen, die eigentlich nicht auf Frauen stehen. Sie wollen eine nur ausnutzen und sind schnell wieder weg – mit einem Typen. Hier werden meiner Meinung nach grundlegende Dinge durcheinander geworfen.

Zunächst eine Beispiel-Schilderung der nervigen Situation, die hier gemeint ist: Ich flirte auf einer queeren, schwulLesBischen oder FLT-Party mit einer Frau, wir tanzen und küssen uns, unterhalten uns und irgendwann fällt der berüchtigte Satz: Normalerweise stehe ich ja gar nicht auf Frauen. Wahlweise auch: Bist du wirklich lesbisch? Weiterlesen