Bake Off Teil 3: Brot, Nachtisch und alternative Zutaten

Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2!

Folge 3 des Great British Bake Off hinterließ bei mir einen leicht bitteren Nachgeschmack. Wie Kommentator_innen anmerkten, ist Brot Pauls Spezialgebiet und so ist er hier auch besonders streng und meinem Empfinden nach auch ernster gewesen.

Die technischen Aspekte waren wieder spannend, z.B. wie Gluten durch Kneten entsteht. Mein Bezug war hierzu diesmal weniger stark, vielleicht, weil Brotbacken für mich sehr viel mit weitergereichten Backtraditionen und Gefühl durch Erfahrung, weniger aber mit Perfektion zu tun hat. Selbstgebackenes Brot ist für mich etwas sehr Emotionales, vielleicht auch etwas, wo niemand von außen reinreden soll.

In der Zusatzshow An Extra Slice wird kommentiert, dass alle ein bisschen Angst vor Pauls Anmerkungen haben und tatsächlich liegen Machtkämpfe hier schon beinahe greifbar in der Luft. Die Stimmung ist feierlich-ernst, als Paul der Löwen-Brotskulptur von Teilnehmer Paul die Auszeichnung erteilt, geschickter und beeindruckender zu sein als jedes Brot, dass er zuvor in seinem Leben gesehen habe.

Obwohl ich Brotskulpturen meist langweilig finde, freue ich mich wieder darüber, den Teilnehmenden beim Gestalten zusehen zu können. Umso tragischer erscheint es mir, dass die Kritik an Dorretts „Unmade Bread“-Skulptur nach der „My bed“ Installation von Künstlerin Tracey Emin nicht darauf zielt, wie kreativ oder innovativ Idee und Umsetzung sind, sondern andere Maßstäbe angelegt werden:

  • dass die Juror_innen wissen, dass sie nicht geübt hat
  • dass ihnen die Vorlage nicht gefällt.

Dass das Brot, welches als Matratze dient, nicht durchgebacken ist, scheint da nur der Tropfen zu sein, der da Fass zum Überlaufen bringt: Dorrett fliegt.

Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass jemand aus Zeitgründen nicht viel üben konnte, sind die Juror_innen n diesem Fall nicht versöhnlich, sondern sauer, die Stimmung ist gedrückt. Nicht alles zu geben, das scheint maßlos zu verärgern.

Trotz der Ernsthaftigkeit hagelt es wieder die vom Publikum und der Produktion geliebten “puns” – Wortspielereien, die für mich jetzt auch etwas leichter mitzubekommen sind als in den ersten Folgen.

Screengrab von dem

„Knead more info?“ Screengrab von dem „Bake Off“-Show-Stream

Worüber ich mich außerdem freue, ist dass eine von den Moderatorinnen aussieht wie ich… Das passiert auch nicht oft im TV, dass ich mich dort wiederfinde, und auch dies ist seit dem ersten Einschalten eine schöne Überraschung gewesen.

Viel toller als die ehrlich gesagt vergleichsweise doofe Brotfolge, und eine auf die ich mich schon lange gefreut habe, ist die mit dem Nachtisch. Was gibt es hübscheres als Desserts!

Wenn ich mich richtig erinnere, gab es viel Lob, viel Gelingen und entspanntere Gesichter. Es gibt eine technical challenge, welche aus einer mit Beeren gefüllten Sahnekreation bestand. So wichtig ernsthafte Auseinandersetzungen sind, so sehr mag ich Bake Off, weil es mir eine Pause davon gibt. Ian wird zum 3. Mal Star Baker, und ehrlich gesagt kann ich ihn und Matt nicht gut auseinanderhalten. Macht nix.

Die Entrüstung und der Kampfgeist er anderen Kandidat_innen in der nächsten Folge “Alternative Ingredients” sind liebevoll-sachlich. Natürlich wollen sie Ian vom Thron stoßen und können es nicht erwarten, dass bei ihm etwas schiefläuft, damit sie auch eine Chance bekommen. Hahaha. Dass sich Ehrgeiz und Liebe nicht ausschließen brauchen, auch nicht in einer Castingshow, wird hier von Bake Off wieder bewiesen.

Wunderschön ist außerdem wieder das Geschichtenerzählen innerhalb einer Sendung. Die Backenden sollen einen Kuchen ohne Zucker herstellen, und immer wieder zeigt die Kamera auf Alvin, der ein bewährtes, schlichtes Ananaskuchenrezept ausgewählt hat. In der letzten halben Stunde ist er schon fertig, wird langsam nervös, da alle anderen noch dekorieren. Als Zuschauerin werde ich ganz kribbelig, mache mir Sorgen, Alvin kann generell manchmal etwas unsicherer und weniger “in control” wirken als manche der anderen. Deren Kuchen werden zu erst bewertet, ein wunderschön dekorierter als “etwas zu schlicht”. Die Spannung steigt…

Als Alvin endlich an der Reihe ist, gehen sie nicht auf das schlichte Design ein; sie probieren – und sind voller Lob für die gelungene Kreation. In diesem Fall stört sie nicht, dass er die Zeit nicht voll ausgenutzt hat. Vielleicht weil es nicht der Show Stopper sondern das Signature Bake ist, die erste challenge und diejenige, bei der eine persönliche Entscheidung ausschlaggebend ist sowie natürlich die Frage, ob sie den Geschmack der Kritiker trifft. Hiervon waren sie rundum überzeugt; das beste an der Produktion der Szene ist, wie sie mit keinem Wort kommentiert wird, sondern dramaturgisch alles durch Kameraführung und einen unaufdringlichen, aber perfekt getimten Schnitt erzählt wird.

Das Thema alternative Backmethoden wird entspannterweise einfach als Herausforderung dargestellt, nicht als seltsam oder hip – ob darauf wegen Unverträglichkeiten oder aus Neugier zurückgegriffen wird, es wird deutlich, dass es eine weitere wichtige Kompetenz im Repertoire der Bäcker_innen aus Leidenschaft ausmacht.

Im Finale hatte ich ehrlich gesagt Tränen in den Augen, sowohl als Nadiya Star Baker wurde als auch als Ugne rausflog. Beides war im Laufe der Episode nachvollziehbar, und so war ich emotional ganz dabei, als eine es schaffte, die Tränen zurückzuhalten, und die andere vor Freude heulen musste.

Habt ihr diese Folgen gesehen? Was ist euch aufgefallen, was fandet ihr gut und was weniger gut? Ich freue mich über eure Kommentare!

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