Still Loving Bi

[English abstract: see below]

Seit den ersten Beiträgen hat sich das Thema Bifeindlichkeit, oft unausgesprochen, auf diesem Blog durchgezogen. Seitdem habe ich viele Gespräche darüber geführt, mit Menschen von Twitter, mit Freundinnen, mit Partnerinnen. Auch nahm ich an einem Workshop von zwei Freundinnen an der Uni Mainz teil, der auf dem Konzept Monosexismus und, wenn ich mich richtig erinnere, zu Teilen auf Shiri Eisners Buch „Notes for a Bisexual Revolution“ beruhte. Von einer der Workshop-Leiterinnen erfuhr ich auch, dass das so oft vorgebrachte Argument für Bifeindlichkeit – nämlich, dass es Bifrauen besser geht als Lesben, und bi Männern besser als Schwulen, und sie sollten sich nicht so anstellen – nicht stimmt. Studien belegen unter anderem, dass in Großbritannien unter anderem Selbstmordgefahr, Armut und Depression bei bisexuellen Frauen häufiger auftreten als bei homosexuellen Frauen* und Männern* (und heterosexuellen Menschen sowieso). Das beim Workshop zu besprechen, brachte viele Teilnehmende in eine ernste Stimmung: Die wenigsten von uns hatten wohl damit gerechnet, in dieser Form die eigenen Erlebnisse als tatsächlich, als nicht ausgedacht, als nicht übertrieben oder „Einzelfall“ bestätigt zu sehen.

Der Zusammenhang ist in den Studien nicht bewiesen worden, aber es ist möglich, dass einer besteht, zum Beispiel aufgrund von Stigmatisierung und fehlender Unterstützung. Eine mir plausibel erscheinende Erklärung war, dass sich in Sachen „Homorechte“ und Kampagnen einiges getan hat in den letzten Jahrzehnten, während bisexuelle und biromantische Menschen da zwischen den Stühlen saßen. Aber es geht mir nicht darum, wer recht und unrecht hat. Wer mehr leidet. Wer stärker verletzt wurde. Tatsache ist, dass Bifeindlichkeit real ist, genauso wie Lesbenfeindlichkeit real ist (und diese sich von der ebenso realen Schwulenfeindlichkeit unterscheidet, so wie Männern* Bifeindlichkeit oft anders zuteil wird als Frauen* und Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus und weitere Diskriminierungsformen eine Rolle spielen). Anstatt gegenseitiger Schuldzuweisungen wünsche ich mir gegenseitige Solidarität. Unterstützung, Verständnis, das Bemühen, Gegenüber-Personen sprechen zu lassen und ihnen zuzuhören.

Es gibt viele verschiedene Ansätze, mir selbst in diesem Moment geht es nicht darum, „bi“ in der Sprache oder in Veranstaltungen mehr einzubeziehen, sondern schlicht um weniger Hass gegenüber Bi und mehr Liebe. Viele Menschen erleben ihre Orientierung und_oder Sexualität als fließend (siehe Diamond: Fluid Sexuality). Auf die Bi-Bezeichnung wird oft das projiziert, was gerade Angst macht: Untreue, Treue, binary, non-binary, [edit: und Polyamorie, Monogamie,] Sicherheit, Unsicherheit… dies habe ich immer wieder erlebt und beobachtet. Es kann bei Menschen, die sich als Bi erleben, zu Selbstzweifeln und Selbstverachtung führen. Dabei ist „bi“ ein sehr einfaches Konzept: Es bedeutet, die Fähigkeit zu haben, sich sowohl zu Menschen des eigenen Genders als auch anderer Gender hingezogen zu fühlen. Nicht mehr und nicht weniger.

Dies ist auch die Grundlage für ein Projekt, mit dem ich mich im Uni-Umfeld in den letzten Monaten beschäftigt habe. Es geht um Liebe und Akzeptanz für Bi. Es geht darum, die Möglichkeit zu verstärken, das Label „bi“ zu benutzen und es als etwas Schönes oder auch einfach Neutrales annehmen zu können, ohne negative Folgen fürchten zu müssen. Eben hier ist Solidarität wichtig, denn eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und_oder Gender-Identität kommt selten allein. Mein Projekt „Still Loving Bi“ hat mir neue Gespräche gegeben, gegenseitiges Augenöffnen, und eine Fotosession in Vorsommerhitze.

Die Fotos sind mit vielen lieben Menschen entstanden, die das Ziel von meinem Projekt unterstützen, unabhängig davon, wie sie ihre eigene Orientierung und Identität beschreiben. Sie haben sich dann überlegt, welchen Slogan sie unter ihrem Bild stehen haben wollen (s.u.). Dazu muss gesagt werden, dass dies nur einen kleinen, mir nahen Teil der betreffenden Menschen widerspiegelt, zum Beispiel waren keine männlich identifizierenden Personen dabei und alle waren zwischen 18 und 30 Jahren. Weitere, anders gestaltete Projekte können mehr und noch andere Menschen ansprechen. Mehr Fotos sind auf facebook und tumblr zu sehen und sie dürfen gerne geteilt und weiterverwendet werden.

[Hinweis: Ich verwende wenn möglich und sinnvoll den Begriff „bi“ statt „bisexuell“, da er auch „bi-romantisch“ mit einschließt. Bi-romantisch kann bedeuten, asexuell u.ä. zu sein oder sexuelle Anziehung für nur 1 Gender zu erleben.]

Eleonora and Elsa, Saving the Day, Still Loving Bi

„Eleonora and Elsa, Saving the Day, Still Loving Bi“

„Rain and Seval, allies, still loving bi“

„Pippa, force to be reckoned with, always loving bi“

English: Being bi means having the ability to be attracted to your own as well as other genders. These pictures (more on facebook and on my tumblr) are part of an activist media project I am doing as a student at the University of Sussex because many people experience negative reactions to being bi (bisexual, biromantic…). For example, bisexual women* in the UK are more likely to have mental health and poverty problems as well as a higher suicidality than lesbians and straight people, possibly due to stigma and less access to community support. ((http://www.lshtm.ac.uk/newsevents/news/2015/bisexual_women_mental_health.html)

I want to counter this by showing solidarity and love for BI, regardless of what label and identity you use for yourself. One way to spread this message is by uploading bi pride pictures that I have taken with a group of people at uni. The people in the pictures then chose what caption they want to have under their picture. Stigma can lead to people being hesitant to use the label BI, which is understandable. However, I want everyone to be allowed to feel comfortable and safe using the label IF they feel it could fit the way that they experience attraction.

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