Frauen*vor_bilder: Nichts verändert seit 200 Jahren?

Im 19. Jahrhundert gab es Geschenkbücher für Frauen, die Bilder von reichen, für Männer zurechtgehübschten Frauen zeigten – das durfte ich in einem Seminar zu Autorinnen der britischen Romantik herausfinden. Genau das gleiche zeigt auch ein Großteil der Frauen*zeitschriften des 21. Jahrhunderts. Wie die Zeit (nicht) vergeht!

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden eine Menge Geschenkbücher hauptsächlich für Frauen der Mittelklasse produziert. Hauptanreiz, diese Bücher zu kaufen, waren Abbildungen von meist adeligen Frauen, die nicht unbedingt keusch und züchtig dargestellt waren, sondern mit großen Ausschnitten und schmachtenden Blicken auch als physisch begehrenswert porträtiert wurden. Dazu hatte ich in meinem essay einiges zu zu sagen, vom male gaze bis zu widersprüchlichen Erwartungen, aber vor allem eines: Durch diese Bilder wurde die Erwartung an die Leserinnen kommuniziert, für Männer begehrenswert zu sein. Schön anzusehen, Schmuckstück und Besitz sein war eine Eigenschaft, die über alle anderen Eigenschaften geschätzt wurde.
Das gilt im 21. Jahrhundert ebenso sehr wie im 19. Jahrhundert. Wenn eine Frau* sich heutige bebilderte Produkte für Frauen* (die Glamour, die Cosmopolitan) anschaut, was sieht sie? Frauen*, denen man nicht als erstes ansieht, dass sie aktiv irgendwelche Abenteuer erleben, sondern in erster Linie für Männer* begehrenswert sind. Sonia Hofkosh schrieb über die Geschenkbücher: „women as the object of the male gaze, multiplying and marketing that view of them so insistently and persuasively that even they can look at themselves through no other eyes“ (Frauen als Objekte des männlichen Blicks, der so eindrücklich und überzeugend vervielfacht und vermarktet wird, dass auch sie sich nur noch durch diese Augen sehen können). Genau diese Übernahme von männlichem Blick und patriarchalen Werten geschieht heute, wenn Leserinnen auf jeder Seite eines Frauen*magazins die Darstellung von reichen, bleichen Frauen anschauen, die leicht bekleidet, schmal und sexy dargestellt werden.

Klar, mensch kann kritisieren, dass unerreichbar magere Ideale dargestellt werden, aber ich frage: Warum überhaupt als ideal darstellen, vor allen anderen Eigenschaften mit teuren Stoffen dekoriert, „sexy“ und begehrenswert zu sein? Zeitschrifteneditorin*nen, das ist fast 200 Jahre her! Es ist Zeit für ein paar Veränderungen (orientiert euch gerne an der einzigen mir bekannten Ausnahme)! Mehr Vorbilder, deren Haupterrungenschaft es nicht ist, für andere begehrlich zu sein und gut auszusehen – mit welchen Körperformen auch immer –, sondern die Abenteuer erleben, sich kreative Herausforderungen suchen, intellektuelle Hochleistungen erbringen, politische Veränderungen erreichen oder besonders gechillt ihr Leben genießen!

"The Marquisa" in Heath's Book of Beauty 1835

„The Marquisa“ in Heath’s Book of Beauty 1835

Jessica Alba auf dem Cover der britischen Glamour 2013

Jessica Alba auf dem Cover der britischen Glamour 2013

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