Coming Out Triggers

Mit Coming Out meine ich in diesem Artikel, sich selbst der eigenen sexuellen Orientierung bewusst zu werden.

Die Wissenschaftlerin Lisa M. Diamond, die eine Langzeitstudie über flexible sexuelle Orientierung bei Frauen* durchgeführt hat, erklärt in ihrem Buch „Sexual Fluidity“ (Übersetzung s.u.):

„Across the entire sample, nearly half the women said that their initial sexual questioning was triggered not by straightforward, free-floating experiences of same-sex attraction but by exposure to or contact with lesbian/gay/bisexual ideas or individuals (for example, meeting lesbian/gay/bisexual friends, taking a class that covered sexual-minority issues, or seeing these issues discussed on television or in books) (…).“

Auf Deutsch: „Durch die gesamte Testgruppe hinweg sagte fast die Hälfte der Frauen, dass ihre erste Infragestellung ihrer Sexualität nicht durch direktes, losgelöstes gleichgeschlechtliches Begehren ausgelöst wurde, sondern durch die Berührung oder den Kontakt mit lesbischen/schwulen/bisexuellen Ideen oder Personen (zum Beispiel lesbische/schwule/bisexuelle Freund_innen kennen lernen, einen Kurs über sexuelle Minderheiten belegen oder Diskussionen über diese Themen durch TV oder Bücher mitbekommen) (…).“

In dieser Beschreibung konnte ich mich gut wiedererkennen. Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Ich hatte quasi schon immer gewusst, dass ich auch auf Frauen* stehe. Aber irgendwann bekamen diese Inhalte eine neue Bedeutung für mich. Ich wusste nicht, ob ich sie anderen zeigen und mit ihnen teilen sollte, da sie sich so verwirrend wichtig und geladen anfühlten. Offensichtlich ist die Sichtbarkeit von LGBTQ*-Themen und Menschen wichtig, damit Leute sich – auch für sich selber – outen können!

Aus Spaß und Neugier, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt, folgt eine kleine Auflistung dieser alltäglichen medialen Auslöser_innen. Nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge:

  • The L-Word schauen
The L-Word

Quelle: fanpop.com

  • Middlesex von Jeffrey Eugenides lesen
middlesex

Quelle: amazon.de

  • schwules Paar in der Serie Modern Family
JESSE TYLER FERGUSON, ERIC STONESTREET

Quelle: dallasvoice.com

  • Romy von The XX live sehen
romy

by caravox. flickr.com

Das sind alles kleine, alltägliche Auslöser. Was unterscheidet sie von ähnlichen Inhalten, die ich vor und nach dieser Phase konsumiert habe? Es ist die Situation, denn es wurde von der Nebensache zu einem Prozess, um einen wichtigen Teil von mir anzunehmen.

Nun bin ich natürlich neugierig: Hattet ihr Coming Out-Phasen? Wenn ja, welche waren das? Hat das Kennenlernen von lgbtq*-Inhalten und Personen für euch eine auslösende Rolle gespielt? Alle eure Erfahrungen gerne in die Kommentare!

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7 Gedanken zu “Coming Out Triggers

  1. Ergänzung: Als Kind und Jugendliche Romane mit lesbischen bzw. nicht-heterosexuellen Protagonis_tinnen zu lesen, war für mich sehr wichtig und schön. Auf den Klappentexten stand nie etwas von lesbischer Liebe – ich schien eine Art Gespür für die Codes zu entwickeln, mit welchen Homo- und Bisexualität umschrieben wurde. Zu diesen Büchern gehörten:
    „Die wilden Hühner und die Liebe“ von Cornelia Funke
    „Jim im Spiegel“ von Inger Edelfeldt
    „ZIP“ von Elvira Birgitta Holm – leider gibt es (noch) keine Übersetzung. Ein absolut queer und wundervolles Buch.
    Und natürlich der Film „Fucking Åmål“ von Lukas Moodysson!

  2. Bei mir war der Trigger (nachdem ich in eine Frau verliebt war und es immernoch nicht geschnallt hatte) der Trailer von „Room in Rome“, der im ZDF (!) lief.
    Internetrecherche und DVD-Geschaue folgten…

  3. bis ich mit anfang zwanzig meine jetzige partnerin* kennengelernt habe, spielte das thema lesbisch* sein/lesbisch* leben überhaupt keine rolle – schlicht und einfach, weil es in meinem privaten umfeld nicht vorkam. erst dann habe ich nach und nach immer mehr ‚auslöse_rinnen‘ entdeckt (u.a. natürlich so typische wie l-word, bücher, blogs, l-mag, lesbische* musikerinnen*, freundinnen*) und mich immer mehr in dieses leben verliebt, so dass ich mir heute gar nichts schöneres mehr vorstellen kann. aber im nachhinein hätte ich mir mehr vorbilder u.ä. gewünscht, einfach um schon als teenager zu sehen, dass es noch andere möglichkeiten jenseits der heterosexualität gibt.

  4. Aber sicher doch.
    Ein halbes Jahr nach meinem Coming Out kaufte ich mir das Buch „Homosexualität. Die Geschichte eines Vorurteils.“ von Gisela Bleibtreu-Ehrenberg. Ein weiteres Halbjahr später „Verschwiegene Liebe. Lesbische Frauen in unserer Gesellschaft“ von Susanne von Paczensky.
    Drei Jahre später, 1986, schaute ich mir Lianna im TV an – was für ein Glück, dass ich in Hessen lebte, weil neben Bayern war das das einzige Bundesland, das diesen Film brachte.
    Ja, ich würde mal sagen, nachdem ich für mich feststellte, dass ich etwas anderes als andere wollte, begab ich mich auf die Suche nach Widerspiegelung. :-)
    Und ich bin froh, dass der Zugang dazu leichter geworden ist.
    (Natürlich hab ich L-Word und diverse Filme mit lesbischer Thematik in der DVD-Sammlung.)

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